kvtsfarbig2 Kunstverein Traunstein e.V.

Herr von Mallinckrodt, als Vorsitzender und Frau Bader als Mitglied des Beirates des Kunstvereins, können sie uns beide versichern, dass das, was der Kunstverein Traunstein zweimal im Jahr ausstellt, auch wirklich Kunst ist - oder kann das eigentlich alles weg?

Gespräch zwischen Herrn Friedrich Mumm von Mallinckrodt (M), Frau Judith Bader (B) und Herbert Stahl (S, Mitglied des KVs) über die Zielsetzungen und Anliegen des KVs.
Das Gespräch fand am 30.11.2011 statt.

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S:   Vor kurzem endete die alljährliche Ausstellung des KV Traunstein, die dieses Jahr in       drei Räumlichkeiten stattfand. Neben der Städtischen Galerie und dem Kunstraum       Klosterkirche kam eine Parallelausstellung in der Alten Wache im Rathaus hinzu.
      Urteilt man nach den Presseartikeln und den Besucherzahlen - es waren in diesem       Jahr 100 Besucher mehr als bei der letzten Jahresausstellung - war die Ausstellung       doch ein voller Erfolg.
     Der KVTS hat derzeit etwa 140 Mitglieder. Herr von Mallinckrodt, wie viele der       Mitglieder des Kunstvereins Traunstein sind denn aktive Künstler?

M:   Überschlagsweise sind 1/3 aktive Künstler mit einer akademischen Ausbildung oder       einer langen künstlerischen Praxis , etwa 1/3 Hobbykünstler, und da ist dann noch ein       1/3 von Mitgliedern, die einfach uns als Fördermitglieder unterstützen wollen.

B:   Wichtig ist, dass der Kunstverein Traunstein ein regionales Forum ist. Zunächst einmal       heißt das, das ist ein Spiegel der regionalen Kunstszene und da ist es ganz normal,       dass die Qualität unterschiedlich ist. Für mich ist es schon eine Aufgabe des       Kunstvereins, das Bewusstsein für Qualität zu schärfen, oder die Auseinandersetzung       mit Kunst einfach ins Zentrum der Arbeit zu stellen. Was unter anderem ja vor allem in       den Jahresausstellungen passiert, die immer juriert sind. Es gibt die Frühlingsausstel-
      lung, die ausschließlich auf Zeichnungen beschränkt ist, auf kleine Formate, auf Druck-
      graphik. Nicht zu vergessenist es, dass diese Aufgabe in Einklang zu bringen ist mit       dem großen Anliegen von vielen Mitgliedern, auszustellen.

S:   Damit wär ja ein Punkt der Satzung erfüllt, weil es heißt dort unter anderem in der       Zielsetzung: einen möglichst „breit gefächerten Querschnitt“ und auch Kunst „in den       Grenzbereichen“ darzustellen und das wäre jetzt gegeben durch diese beiden       Möglichkeiten, einmal juriert und einmal nicht juriert.

M:  Man ist ja immer auch ein bisschen interessiert, Mitglieder zu bekommen. Also unsere       Bedingungen, in den Verein aufgenommen zu werden, sind da relativ locker.
      Es bewerben sich auch andere Künstler von außen, z. B. aus Heidelberg, München, Bad       Wörishofen, Berlin usw..
     Finanziell ist es schwierig, über die beiden Ausstellungsmöglichkeiten in Traunstein       hinauszugehen. Es sei denn, dass wir den Modus auf eine ganz andere Art und Weise       erstellen, um die finanzielle Basis zu verbessern, um mehrere Ausstellungen zu       veranstalten und mehr andere Aktivitäten auch. Ein breitgefächerter Querschnitt       entsteht bei der Jahresausstellung automatisch und dann haben wir da noch „in       Grenzbereichen“, da muss sich natürlich der einzelne Künstler, der da kommt, auch       hineinwagen, das können wir nicht, wir können sie nur annehmen und sagen das ist toll,       das ist spannend.
     Ein Beispiel hierfür wäre unser Mitglied Helmut Mühlbacher, der Landschaftsarchitekt       und ausgebildeter Künstler ist. Seine Konzeptkunst umfasst sowohl ökologische,       städteplanerische als auch künstlerische Ansätze der Gegenwart.

B: Vielleicht sollten wir das doch ein bisschen differenzieren. „Breit gefächerter       Querschnitt“, was heißt das? Das heißt zum Einen, ein Querschnitt durch die regionale       Kunst, ein Spiegel der Mitglieder, aber es heißt natürlich auch, ein Querschnitt durch alle       Gattungen, durch alle Techniken der bildenden Kunst und auch durch die verschiedenen       Stilrichtungen. Bei der zeitgenössischen Kunst kann man ja jetzt nicht mehr sagen, es ist       jetzt Realismus oder es ist jetzt Minimalismus angesagt, sondern es existiert Vieles       nebeneinander. Ich finde es wichtig zu unterscheiden: Es geht nicht darum, möglichst viel       auszustellen, möglichst bunt das Ganze zu machen, was immer etwas von einem       Kunstflohmarkt hat und beliebig erscheint, sondern schon zu versuchen, in einer       Jahresausstellung bestimmte Linien deutlich sichtbar zu machen. Der Besucher hat nämlich       den Überblick verloren, und das finde ich ein Ziel von solchen Gruppenausstellungen, es       deutlich zu machen, welche Richtungen es gibt. In diesen einzelnen Richtungen müssen       die Arbeiten nach Qualität ausgesucht sein.

S:   Da wollte ich grad einsteigen: "Von der Qualität her bezogen!" Mir fiel jetzt gleich der       Bezug zur diesjährigen Biennale ein, dem italienischen Kurator, der also 100 Künstler       ausgesucht hatte, und auch wirklich Wald- und Wiesenkünstler jeglicher Art, ohne auf       die Qualität zu achten und es war schon wahnsinnig frustrierend, das zu sehen. Und das       ist in den letzten Jahres des Kunstvereins in den Jahresausstellungen doch ganz anders       gewesen, da war eben die Qualität relativ hoch angesetzt.

B:   Wobei man sich natürlich auch darüber unterhalten kann, was macht die Qualität eines       Kunstwerks aus und was macht auch die Qualität einer Gruppenausstellung aus?
     Da gehen die Meinungen auseinander, und es ist auch nicht, glaube ich, dass man       sagen kann es gibt  einen Grund dafür, warum das Kunst ist oder nicht, sondern es ist       erst einmal die grundsätzliche Überlegung: Ist Kunst Dekoration oder hat Kunst etwas       mit unserer persönlichen und gesellschaftlichen Wirklichkeit zu tun? Sehe ich in diesen       Werken in irgendeiner Art und Weise die Gegebenheiten der Welt? Dies wäre z. B für       mich ein wichtiges Kriterium für Kunst.

M:   Diese Form der Kunstbetrachtung ist immer wichtiger geworden. Auch bei alter Malerei       kann man diese Interpretionen anwenden. Es ist doch oft beides: es ist nicht nur       handwerklich wunderbar, sondern die Form dient der Vermittlung inhaltlicher Aussagen.       Komposition, Malgegenstand und Malweise geben versteckte Informationen an den       Betrachter weiter, der diese vielleicht gar nicht bewusst aufnimmt, sondern eher       intuitiv. Ich denke da zum  Beispiel an Goya mit seinen Habsburger-Porträts, die ja       durchaus kritische Interpretation sind und nicht 1:1 Umsetzungen oder, was es auch       gibt, Beschönigungen.

S:  Gehen wir mal konkret von der Situation in der Kunstvereins-Jury aus. Ich glaube, einige      der Künstler, die ihre Arbeiten einreichen und eventuell ausjuriert werden, verstehen dies      dann nicht, und fragen sich nach den Kriterien. Hat die Jury die Gesamtausstellung im      Kopf oder geht es dann nur um den einzelnen Künstler beim Betrachten?

B:  Die Arbeit in der Jury ist eine komplexe Sache. Es sind einfach wieder mehrere Punkte,      die da berücksichtigt werden. Es ist keine Jury, die über einen Pool an wunderbaren      Bildern verfügen könnte. Sondern wir haben ein beschränktes Maß an Bildern zur      Verfügung, mit der Auflage, dass es Kunstvereinsmitglieder sind und es um die große      Kunstvereins-Jahresausstellung  geht.  Aus  dem Vorhandenen muss das Beste ausge-
     sucht werden, um eine attraktive und gute Ausstellung zusammen zubringen.
    Was ist das Kriterium für das Beste? Das ist zum Einen diese Repräsentativität für      bestimmte Kunstrichtungen, das ist zum Anderen das Übereinstimmen von Form und      Inhalt. Es ist auch, was für viele Menschen der erste Anhaltspunkt ist, das kommt für      mich nicht an erster Stelle, die handwerkliche Präzision und das handwerkliche Können.      Es spielt außerdem eine Rolle das Gesamtwerk des Künstlers mitzubedenken; Wir      jurieren ja nach Fotovorlagen, diese können oft das Original nicht wiedergeben. es gibt      bestimmte Richtungen in der Kunst, z.B. gestische und informelle Malerei, da sind      Fotos, zumal unprofessionelle,  einfach völlig ungeeignet für die Beurteilung.

M: Ich sitze ja nur dabei, und das ist auch gut so. Wir wollen ja die Jury möglichst      unabhängig haben im Kunstverein. Einreichende Künstler können nicht in der Jury sitzen.      Wir handhaben das so, und das finde ich redlich.

S:  In der Satzung steht auch, künstlerische Veranstaltungen sollte man organisieren. was      wird darunter verstanden?

B: Was versteht man unter künstlerischen Veranstaltungen? Was ist es, was die Arbeit      eines Kunstvereins noch prägt über das Ausstellung-Machen, -Bestücken hinaus. Ich      denke, da gab es verschiedene Versuche mit Podiumsgesprächen oder runden Tischen      und einem Vortragsthema usw. Ich glaube, dass wir im Ver-
     gleich zu Zeiten der klassischen Moderne oder auch zur Nachkriegszeit oder auch zu den      politisierten 1960er Jahren es mit einer veränderten gesellschaftlichen Wirklichkeit zu      tun haben. Es besteht bei Künstlern kein Bedürfnis mehr, sich in Gruppen zu      organisieren, in denen dann nach intensiven Gesprächen Kommunikees und Manifeste      veröffentlicht wurden. Im Rahmenprogramm der Jahresausstellung sind z. B. Künstlerge-
     spräche fester Bestandteil. Das ist konkrete Vermittlungsarbeit zwischen Künstlern und      Publikum. Das sind dann geführte Ausstellungsrundgänge durch die Jahresausstellung, die      begleitet werden von ausstellenden Künstlern, die zu ihrer eigenen Arbeit etwas sagen      können, und auf Fragen des Publikums antworten. Das empfinde ich als eine sehr      fruchtbare Sache. Der Künstler wird live erlebt, er kann seine Position selber distanziert      sehen und darstellen, und fürs Publikum ist es oft interessanter, den Schöpfer eines Werks      selber sprechen zu hören, als z. B. eine kunsthistorische Interpretation, die ja zu so einem      Gespräche hinzukommen kann.

S:  Bei der letzten Ausstellung fanden diese Künstlergespräche im Kunstraum Klosterkirche      und in der Städtischen Galerie erst am letzten Tag statt. Sollte man das nicht häufiger      und früher anbieten? Es ist ja dann auch Werbung für die Ausstellung. Ich bin überzeugt,      dass das Künstlergespräch in der Alten Wache zur Parallelausstellung „daily sculptures“      mit beigetragen hat, dass die Leute dann in die Ausstellung gegangen sind. Zwar wenig,      aber immerhin, und wenn man solche Gespräche während der 3 oder 4 Wochen veran-
     stalten könnte, würde das auch eine Lebendigkeit der Ausstellung bewirken.

B:  Ja ganz bestimmt. Das ist dann eine organisatorische Sache. Man braucht natürlich auch      das Publikum, man muss sich schon auch behaupten können, bei der Vielfalt der Veran-
     staltungen, die es gibt.

S:  Wenn ich das vergleichen würde mit Ihren Ausstellungen in der Städtischen Galerie, Frau      Bader, da kommen die Leute ja auch zu den Künstlergesprächen, und wenn diese Sache,      die Künstlergespräche bei den Kunstvereinsausstellungen auch Tradition geworden ist,      dann glaube ich, dass sich das dann auch einspielt, dass die Leute dann auch kommen.

B:  Für mich ist das eine gute Richtung, diese gute Zusammenarbeit zwischen der Städti-
     schen Galerie und dem Kunstverein. Da ergänzt und befruchtet sich vieles gegenseitig.      Da war z. B. auch die Sache mit den „offenen Ateliers“, auch das eine Möglichkeit, bei      der das Publikum direkt in die Räume der Künstler kommt und das Gespräch sucht.      Städtische Galerie und Kunstverein haben doch das gemeinsame Ziel, die Kunst als      einen lebendigen wichtigen Faktor zu etablieren.

S:  Der Kunstverein hat ja keine eigenen Räumlichkeiten und so werden die Räumlichkeiten      für Ausstellungen dem Kunstverein von der Stadt Traunstein zur Verfügung gestellt.      Inwiefern passen die Ausstellungen des Kunstvereins in den städtischen Räumen zu ihrer      Zielsetzung als kommunale kulturelle Einrichtung?

B:   Das passt sehr gut rein. Also ich bin da sehr froh, das ist für mich eine ganz wichtige       Ausstellung im Jahresprogramm. Das Jahresprogramm der Städtischen. Galerie versucht       ein bisschen über das Regionale hinauszugehen und da unterschiedliche Stimmen und       Richtungen zu zeigen und trotzdem ist die Städtische Galerie Traunstein natürlich das       Forum für die regionale Kunstszene, die qualitativ gute, regionale, lebendige       Kunstszene.

M:   Das ist eine gute Sache, dass wir die Städtische Galerie haben mit einem Programm,       das einmalig ist in der Region, ich kenn da keine andere. Von Ebersberg bis Salzburg       gibt es kaum etwas Vergleichbares. Ich weiß nicht, ob sich in Traunstein in der Basis       sehr viel verändert hat, im Verständnis. Aber da ist wie überall Geduld erforderlich. Auf       den Kunstverein hat sich aus meiner Sicht die kulturelle Entwicklungen der letzten       Jahrzehnte in Traunstein positiv ausgewirkt. Das Bewusstsein für z.B. die       Herausforderungen an eine kuratorische Arbeit ist gewachsen. Auch im Kunstverein       und in der Jahresausstellung. Die Tatsache, dass wir so einen breit gefächerten       Querschnitt in der Anlieferung für die Jahresausstellung haben und die Tatsache, dass       da überhaupt keine Ordnung drin ist, bringt natürlich viel Arbeit mit sich, die Erfahrung       in der Ausstellungsgestaltung voraussetzt.

      Über Jahre haben wir immer wieder versucht, ein Thema zu den Jahresausstellungen zu       finden. Aber die Künstler haben zum Großteil keinen Spaß an einer thematischen       Ausstellung und fühlen sich durch ein Thema eingezwängt, auf der anderen Seite gibt es       doch einige, die haben wieder Spaß dran und finden, nur mit einem Thema kann man       auch ein bisschen Ordnung reinbringen.

B:   Wir variieren ja immer. Einmal ohne einmal mit Thema. Bei Themenausstellungen finde       ich es wichtig, dass das Thema tatsächlich auf den Nägeln brennt, dass man sagt, da       möchte ich jetzt hören oder sehen, was die Künstler dazu zu sagen haben. Also ich       erinnere mich an das Thema „Heimat“, das dann immer häufiger als Sujet in den       Feuilletons und in der Kultur aufgetaucht ist. Da war der Kunstverein in Traunstein früh       dran. Auch das Thema „Blaumachen“ war gut. Ein Thema darf nicht übers Knie       gebrochen sein. Ein Thema einer Ausstellung sollte immer Anregung und Anreiz sein und       nicht Beschränkung für die Künstler, oder?

M:  Warum ist die Jahresausstellung interessant, warum ist sie besser geworden? Jetzt       kommt natürlich genau das, was Frau Bader sagt, man muss diese Unordnung       zusammenbringen. Es ist jedes Mal wirklich gut geglückt, würde ich sagen. Ich hab       schon mal die provokante Idee gehabt, die ganzen ästhetischen Grenzfälle hängen wir       nur in einen Raum und die Guten in einen anderen, und man sagt nichts dazu; ob das       den Menschen überhaupt auffällt? Dann wäre der Querschnitt und das Faire weg in       dieser Kunstpräsentation.

S:   Was die Satzung aber vorschreibt.
      Ein Bestandteil der letzten Ausstellungen waren die Präsentationen von Künstlern von       außen, von Nichtmitgliedern des Kunstvereins. Ich glaube, es waren diesmal 20%. Von       einigen KV-Mitgliedern wird dies kritisiert, dass man überhaupt „Gäste“ mit hereinnimmt.

B:  Wir können auch Arbeiten aufnehmen von Nichtmitgliedern. Aber da ist es schon so, dass      die Jury dann sagt, brauchen wir den? Da haben wir tatsächlich die Freiheit zu sagen,      nein das ist austauschbar, beliebig. Es kommen aber dadurch auch Werke nach      Traunstein, die sonst von der Bevölkerung hier nicht gesehen werden würden, bei denen      die Jury der Meinung ist, das ist interessant, das ist wichtig, das bringt einen neuen      Aspekt in die Ausstellung. Das ist für die Besucher interessant, auch aber für die      Kunstvereinsmitglieder, die dann dadurch vielleicht mit etwas Neuem, Anderem      konfrontiert werden.

S:  Die Bienen in diesem Jahr z.B..

B:  Ja, wie z. B. dieses Jahr das Video „die Bienen“. Wir können ja auch ruhig zugeben, dass      wir schauen, wo die Arbeit in jüngster Zeit ausgestellt war. In diesem Jahr gab es keine      einzige Videoinstallation von Kunstvereinsmitgliedern. Video und Multimedia sind aber      ein wichtiger Bereich zeitgenössischer Kunst. Von außen bietet uns jemand dieses Video      an, das in der Jahresausstellung „tierisch“ vom Haus der Kunst in der dortigen      diesjährigen großen Kunstausstellung gezeigt worden ist, da sage ich wunderbar, diese      Gelegenheit nehmen wir wahr.

S: Das kann ja sehr inspirierend für Leute des Traunsteiner Kunstvereins sein, sich      eventuell mal Gedanken zu machen, anders zu arbeiten. Das ist doch ein ganz wichtiger      Aspekt dabei. Die Teilnahme von Ausstellern von außen kann doch etwas sehr      Fruchtbringendes sein.

M: Es ist natürlich auch interessant, dass man hier Sachen wie die Bienen oder wie auch      damals die Badewanne von Gregor Passens. Seitdem ist der Passens so weit rumgereist,      dass wir den nicht mehr kriegen. Aber der hat so eine spannende Sache damals gemacht      … Ich finde so was lockert auch auf. Wenn ich also diese Bienen sehe, oder den      Fenninger mit seiner Dame mit dem Ball im Mund in der diesjährigen Ausstellung, das ist      schon interessant. Warum sind jetzt 30 % mehr Besucher gekommen? Weil die      Ausstellung so gut zusammengestellt war!

B:  In diesem Jahr waren wirklich eklatant viel mehr Besucher in der Ausstellung, es waren      100 mehr wie sonst bei gleicher Ausstellungszeit und das bedeutet für unseren Rahmen      schon eine gute Steigerung. Und natürlich fragt man sich dann, woran das liegt. Und ich      glaube es ist ein Bündel von Gründen. Es war sicher auch von Vorteil, dass wir dieses      Mal nicht nur in der Klosterkirche und in der Galerie die Ausstellung zeigten, sondern      auch noch den zusätzlichen Ausstellungsraum der Alten Wache hinzunahmen. Das hat      ein reges, wechselseitiges Hin- und Herschicken ausgelöst. Vielleicht hängt es auch      damit zusammen, dass mehrere große Banner im öffentlichen Raum auf die Galerie      aufmerksam machen..

S:  Diese Banner sind ja wirklich sehr ansprechend gestaltet, ob das jetzt die Städtische      Galerie oder die Musikschule betrifft, die Banner sind wirklich gut gemacht.

M: Wo hängen die überall?

S:  Überall an den Stadteingängen, aber auch  z. B. am Karl-Theodor-Platz oder an der      Äußeren Rosenheimer Straße. Die sind auch wirkliche Hingucker, diese Banner, also die      sind einfach gut gemacht. Die Aufmerksamkeit der Leute für die Städtische Galerie ist      größer geworden durch die Renovierung der Ausstellungsräume in den letzten Jahren.      Der Ruf der Städtischen Galerie ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. Ich denke,      dass sie gefragt ist, die Städtische Galerie, bei den Künstlern zwischen Salzburg und      München.

     Aber jetzt nochmal zurück zur Ausstellung in der Alten Wache. Die nannte sich ja „Kunst      im Dialog“, und dies soll ja wohl weitergeführt werden in den nächsten Jahren. Gibt’s da      schon Ideen und Gedanken dazu?

M: Nein, ich glaube da gibt’s noch keine Ideen, aber der Start mit den „daily sculptures“ war      viel versprechend.

B: Diese Parallelausstellung in der Alten Wache soll eine wirkliche Alternative zur      traditionellen Jahresausstellung sein und der Forderung in der Satzung entsprechen, dass      auch Grenzbereich der bildenden Kunst gefördert werden. Es sollte eine weitergehende      Auseinandersetzung sein, sei es vom Formalen, sei es vom Inhaltlichen her, mehr      Veranstaltungs-, Performancecharakter haben.

S:  Das würde wahrscheinlich auch ein jüngeres Publikum anziehen, das ja auch wichtig ist      für diese Ausstellungen. Außerdem: was kann der Kunstverein tun, dass junge Talente      gefördert werden? Kann man, ganz grob gesagt, einfach darüber nachdenken,      irgendeinen Workshop durchzuführen? Mit  jungen Leuten und mit Künstlern. Über      Organisation und Finanzierung muss man sich natürlich dann Gedanken machen, aber ich      könnte mir vorstellen wenn man sagt, man macht mit Künstlern einen Workshop über      drei Tage, mit Altersbegrenzung, dass dann ein Teil von der Stadt subventioniert wird      und ein Teil kann vielleicht auch der Kunstverein tragen und einen kleinen Beitrag muss      jeder Teilnehmer selbst tragen. Das fände ich auch eine sehr lebendige Sache, dass in      der Richtung auch etwas geschieht.

B:  Ja das fände ich eine gute Anregung. Stichwort: kulturelle Bildung, außerschulische Orte      der Kunst- und Kulturförderung. Es werden z.B. nächstes Jahr im Rahmen eines      bayernweiten Festivals zwei Schulprojekte umgesetzt, in denen die Jugendlichen mit      Künstlern, auch aus dem Kunstverein, zusammenarbeiten. Die Schulprojekte werden      gefördert vom Staatsministerium, darin enthalten ist ein Honorar für die beratenden      Künstler. Das ist klasse.
     Es ist eine gute Sache Schulen, Kultureinrichtungen der Stadt plus freie Künstler zu      vernetzen.

S:   Unbedingt, es gibt ja „Kids“ – „Künstler in die Schulen“, das ist ein Förderprogramm des       Kultusministeriums. Da können dann auch Lücken geschlossen werden, wenn es um       Gelder geht. Und das wäre dann auch der Topf, wo man versuchen könnte, über den       Kunstverein noch an Gelder heranzukommen. Der Kunstverein könnte sagen, wir machen       jetzt etwas für junge Menschen bis 22, ich sag mal, einen Workshop mit irgendeiner       besonderen Art von Kunst und die steht unter der Leitung eines Künstlers. Die Leute       müssen natürlich aus dem Landkreis stammen und dann gibt es Leute, die sich auch       darum kümmern und es gibt einen Künstler oder zwei Künstler, die dann nur mit den       jungen Menschen arbeiten und andere, die sich zur Verfügung stellen, um das       Organisatorische zu übernehmen. So ist es bei uns an der Schule gelaufen mit den       Künstlern, mit denen wir gearbeitet haben. Und das war u. a. eigentlich das Beste, was       ich in meiner Schulzeit gemacht habe.

M:  Ich zitiere ja immer die Geschichte, wo ich am Anfang meiner Tätigkeit als Vorsitzender       des KV, das ist jetzt schon fast 10 Jahre her, wo ich da mal die Kunsterzieher aus den       verschiedenen Gymnasien aus dem Landkreis zusammengeholt habe. 5 – 6 waren wir,       die Resonanz war eher gering. Sind Sie dabei gewesen?

B:   Nein, ich habe dann nur das Ergebnis gesehen mit Arbeiten aus dem Gymnasium Laufen,       mit Kunsterzieher Wolfgang Brunner, glaub ich.

M:   Die Zusammenarbeit mit Herrn Brunner war eine tolle Sache. …
      Grundsätzlich gibt es nur ganz wenige Leute, die im Kunstverein die Dinge machen, wie       z. B. die Öffentlichkeitsarbeit. Hier möchte ich z. B. diese Geschichte mit den Bubbles       (Ausstellung „daily sculptures“ in der Alten Wache) erwähnen. Wir haben alles       hinsichtlich Öffentlichkeitsarbeit getan, was wir tun können, aber wenn wir noch mehr       machen, wäre es besser. Es sind  Einladungen und Messages rausgeschickt worden,       trotzdem waren zu wenig Leute da.
      Und manche haben die Tragweite der Ausstellung gar nicht verstanden und nicht genau       hingesehen, die haben nicht einmal gemerkt, dass da kleine Figuren in diesen Bubbles       drin waren und dass der Papst neben dem Müllhaufen von dem Staubsauger steht.

B:   Ich würde da die Latte nicht so hochlegen, auch wenn man natürlich immer wieder über       mangelnde Resonanz enttäuscht ist.  Was hat der Kunstverein in Traunstein für eine       Aufgabe? Es ist gut, es ist ohne Wenn und Aber einfach gut, wenn solche Sachen       ausgestellt werden. Wer genauer hinschauen will, wird es tun. Man kann das nicht       diktatorisch einfordern, obwohl man es manchmal gern tun würde, aber das geht nicht.       Sondern man muss sich behaupten mit der anspruchsvollen Kunst in einem riesigen       Wirtschaftsspielfeld, wo so viele Reize und Angebote kommen. Umso wichtiger ist es,       dass der Kunstverein kontinuierlich seine Arbeit leistet. Dass man oft enttäuscht ist,       wenn das Interesse in der Öffentlichkeit nicht groß ist, ist menschlich, da muss man       sich immer wieder aufrappeln und weitermachen. Es ist eine Frage der Haltung: ich       denke, dass Kunst eine große Aufgabe in der Gesellschaft hat, und  der Kunstverein ist       ein Garant dafür, dass in diesem Bereich  nicht der Markt und das Gefällige regiert.

M:   Junge Künstler so zwischen 19 und 30 Jahren, die wären interessant, junge Menschen,       die hier leben und arbeiten. Vielleicht sollten wir doch nochmal so einen Versuch       machen. Vielleicht könnte das ja mal der Professionelle in unserer Runde hier machen?       Vielleicht könnten sich die Kunsterzieher der verschiedenen Schulen mal       zusammensetzen, um herauszufinden, was können wir machen, wie können wir junge       Menschen in das aktuelle Kunstgeschehen einbeziehen?

S:   Ich glaube es ist eine ganz schwierige Sache. Kunsterzieher müssen von sich aus       motiviert sein, was anderes zu machen, als nur „den Lehrplan zu erfüllen", und wenn       das der Fall ist, kann sich ganz viel entwickeln in Zusammenarbeit mit den Schülern, in       Zusammenarbeit mit dem Kunstverein und der Städtischen Galerie.  Ich erinnere mich,       wie schwierig das war, 2008 als es das Kunst()räume Projekt in Traunstein gab,       überhaupt Traunsteiner Schulen zu bekommen, die da mitmachen wollten. Es blieb dann       letztendlich unsere Realschule über und das AKG. Und das AKG ist dann auch noch       ausgestiegen.  Also das liegt einfach an der Bereitschaft der Kunsterzieher.

B:   … und auch am Engagement. Das kann man nämlich nicht im Rahmen des normalen       Unterrichts erfüllen. Aber vielleicht wäre es für die Zukunft eine Idee, dass man einen       speziellen Tag für Schulen macht, während der Jahresausstellung. Man könnte einfach       einen Tag festlegen, und alle Schulen in Stadt und Landkreis darüber informieren. Da       muss man sich dann natürlich überlegen wie man durch die Ausstellung führt? Aber das       können wir vielleicht festhalten, für nächstes Jahr, probieren wir es mal aus. Das sind       dann 30 - 40 Schulen, die angeschrieben werden, und, ich will jetzt da nicht       Schwarzmalen, wenn dann drei oder vier kommen, dann ist das, glaube, ich ein gutes       Ergebnis..

M:  Das könnte ja auch ganz gemischt sein. Da könnten Grundschulen, Realschulen und       Gymnasien zusammen erscheinen. Es gibt ja einen tollen Mix manchmal, oder?

B:  Je größer die Gruppe, desto schwieriger ist es, sie zu handhaben, aber über die       organisatorischen Details kann man sich dann schon einigen. Vielleicht kann man das so       formulieren: „Der Kunstverein öffnet sich den Schulen“. Man sollte das einfach für       nächstes Jahr festhalten: die offenen Ateliers, Künstlergespräche, ein Tag für die       Schulen.

S:    Das ist eine sehr gute Idee, weil die Schulen dann einfach auch eingebunden werden in       das aktuelle Kunstgeschehen des Landkreises, der Stadt Traunstein, und die Schüler       dann das kennen lernen, was um sie herum passiert. Ich denke, wenn ich jetzt noch in       der Schule gewesen wäre, ich wäre natürlich in die Dialogausstellung in der Alten Wache       gegangen und die Schüler hätten einen Riesenspaß dabei gehabt. Und sie hätten Ideen       weiterentwickelt. Die Ausstellung hat mich sofort angeregt, ich hab sofort wieder als       Lehrer gedacht: z.. B. der „Staubsaugerbeutel“ oder die „goldene Nase“ oder die       farbigen Eimer. Das sind ja alles Dinge, mit denen ich mit den Schülern arbeiten kann.       Und wenn da ein bisschen was passiert, auch mit Hilfe des Kunstvereins, dass sich da       eine Lebendigkeit in den Schulen entwickelt, glaube ich, wäre viel geschehen.
      Ich glaube, wenn es in Kommunen eine ganz lebendige Kunstszene gibt, dass die dann       auch politisch sein kann, zumindest von der Vorstellung her. Wenn sich in einer       Kommune eine lebendige Kunstszene darstellt, dann trägt das weiter, da bin ich       überzeugt davon.

M:  Kunst kann ja auch ein bisschen politisch sein. Kritik ist ja immer mit drin.

B:   Das kann nicht nur ein bisschen politisch sein, sondern jede Kunstäußerung denke ich,       ist in irgendeiner Form politisch, und sei es, indem sie sich unpolitisch geriert.

S:   In diesem Zusammenhang können wir ja auch mal über die leidige Definition von Kunst       reden. Das ist ja auch so unglaublich schwierig, und immer wieder treten die Leute mit       der Forderung an uns heran: Jetzt erklären Sie uns doch mal, was Kunst ist? Man kann       das nicht so einfach erklären. Und Sie, Frau Bader, haben das ja vorhin an einigen       Beispielen schon versucht, welches die Kriterien sein müssen. Ich würde das genauso       sehen. Es ist ein ganz, ganz weites Feld. Man kann vielleicht eher sagen, dass ist jetzt       keine Kunst, weil vielleicht der Bereich des Kitsches reinkommt und etwas zu bekannt,       zu abgedroschen oder zu banal ist. Leichter ist es ausschließen, Kunsthandwerk und       Kunst zu unterscheiden z.B.  Aber was nun wirklich Kunst ist, das ist einfach ein       schwieriges Feld.

B:   Es ist ein schwieriges Feld!

S:   Und da kommt dann auch noch die Vermarktung dazu, die eine ganz wesentliche Rolle       spielt, wo dann plötzlich Leute gepuscht werden, die es wirklich nicht verdienen. Das ist       so wahnsinnig, was da passiert!

B:   Auch im Regionalen gibt es einen Kunstmarkt oder vorgefertigte Meinungen, wer ein       angesehener Künstler ist oder nicht. Vermarktbarkeit ist nicht gleichzusetzen mit       Qualität. Ich behaupte, dass es Kriterien für professionelle Kunst gibt, z.B. die       Ausbildung und die Ausstellungsbeteiligungen und -orte.  Es gibt sehr, sehr gute       Autodidakten, es muss nicht jeder ein akademischer Künstler sein, aber die wirklich       guten Autodidakten sind selten. Ich lehne es ab zu behaupten, dass „Kunst       Geschmackssache“ sei.

S:   Diesbezüglich gab es ja auch mir gegenüber folgende Äußerung: Gott sei Dank       entscheiden wir aus dem Bauch heraus, was Kunst ist und nicht nach den Vorstellungen       von Akademikern. Man kann Kunst nicht aus dem Bauch heraus definieren. Und wenn ich       die einfachsten Kriterien nehme, dass ich nur sage, formale, handwerkliche Dinge       spielen eine Rolle, das ist das einfachste, da kann man eben sehr wohl Unterschiede       feststellen. Das wär jetzt der Bereich wo es ums „Können“ geht.
      Aus dem Bauch heraus entscheide ich vielleicht, was mir gefällt, aber nicht was Kunst       ist.

B:   Auch eine Jury, die sich über bestimmte Kriterien einig ist, wie Kunst beurteilt werden       muss und darf, kann sich täuschen. Es ist so, dass die verschiedenen Jurymitglieder       natürlich Vorlieben haben und Sachen, die sie weniger gern sehen. Aber ein Jurymitglied       muss in der Lage sein, zu objektivieren. Und muss sagen können, gut mit dem kann ich       persönlich jetzt nicht so viel anfangen, aber es ist repräsentativ für eine bestimmte       Bildsprache und das hat gar nichts mit Geschmack zu tun.

S:   Das ist eigentlich genau der Auftrag, der dann für so eine Jury da ist. Dass ich mich von       meinen Vorstellungen distanzieren muss. Das ist das gleiche, wie wenn jemand einen       Workshop macht als Künstler. Ich muss mich dann distanzieren von meiner eigenen       Richtung, und ich muss das nehmen, was bei den einzelnen Menschen da ist, darauf       muss ich aufbauen, und das muss ich weiterentwickeln. Nur da kann das dann wirklich       lebendig werden und für den Teilnehmenden oder für den Künstler auch profitierend       sein.

M:  Ich glaube diese Geschmackssache ist sowieso eine blöde Sache. Geschmackssache       klingt ja fast ein bisschen wie Gastronomie, also wenn die Suppe so ist und das       Schnitzel so, dann ist es mal italienisch, mal norwegisch, dann kriegen wir Fisch. Wenn       ich mir z.B. den Katalog von Grisebach-Ausstellung anschaue. Die haben die       klassische Moderne bis Kunst der Gegenwart..

B:   Das ist ein Auktionshaus, oder?

M:   Es ist ein großes, das größte deutsche Auktionshaus und erfolgreichste. Es ist ein Herr       Schulz, Bernd Schulz in Berlin, die haben dieses Jahr 50 Mio umgesetzt. Und jetzt bei       der letzten Ausstellung 28 Millionen. Viele Bilder sind mit 50.000,-- € angesetzt oder       mit 5.000,-- und sind doppelt so teuer verkauft worden. Andere bleiben genau da       hängen, wo sie sind und relativ wenige sind zurückgegangen. Und ich hab mir so       gedacht, jetzt guck ich mir die mal an, was gefällt mir da? Und warum ist dieser       Künstler nicht gegangen? Und dann denk ich mir, das ist kein gutes Bild, es ist nicht gut       gemalt, da stimmt etwas nicht. Und diese Tausende von Bietern! Es zeigt, wie der Markt       häufig vom Begriff Geschmacksache gesteuert wird.

      Ich glaube, Menschen, die mit Kunst umgehen, und versuchen, Kunst zu verstehen und       zu sehen, die würden sowas nie sagen. Und wenn sie es sagen, dann meinen sie , ich       kann z.B. mit den modernen Sachen jetzt nicht so viel anfangen. Es ist ja auch       schwierig, unsere ganzen Abstrakten, wie z. B. der Nay, witzigerweise ist der bei       Grisebach gut verkauft worden. Der Baselitz ist verkauft worden, für einen Haufen Geld.       Bekanntlich stehen seine Bilder auf dem Kopf drehst Du sie um, dann ist es ist ein ganz       normales Bild, ein herrliches Bild. „Geschmackssache“, das würden die ganzen Leute,       die ich kenne und die Kunst bei sich zuhause hängen haben und auch einkaufen, das       würden sie nie sagen – das ist meine Ansicht.

B:   Es ist nicht das, was sich am besten verkauft, deswegen gleich Kunst, und es ist auch       nicht das Kunst, was dem persönlichen Geschmack entspricht. Der Kunstverein ist Gott       sei Dank kein wirtschaftlich arbeitendes Unternehmen, sondern es ist ein Verein für die       Auseinandersetzung mit Kunst. Vielleicht kann man sich da darauf einigen, dass Kunst       möglichst unabhängig vom Markt, von persönlichen Geschmäcklereien sein sollte. .

M:  Nochmal zu der Frage, wie die Gastkünstler ausgewählt werden. Ich glaube, das ist       jetzt eher eine Wischi-Waschi-Antwort: durch Suchen und Finden. Das ist immer so       zustande gekommen, dass man in der Runde rumfragt. Ich habe Ideen, andere       Mitglieder haben Ideen, Frau Bader hat Ideen. Der Tafelmaier, der Gastkünstler der       diesjährigen Jahresausstellung z.B., ist mir aufgefallen in Neubeuern in einer       Ausstellung. Der Tafelmaier gefiel mir da sehr gut, und da habe ich ihn einfach       angesprochen. Und Frau Bader und ich sind zum ihm ins Atelier nach München gefahren,       und es hat uns beiden gut gefallen. Frau Bader hat dann die Serie für Traunstein       herausgesucht. Aber die Gastkünstler bewerben sich nicht, es ist eben eher ein Suchen       und Finden.
           
B:  Da der Kunstverein keine eigenen Räume hat, kann er nicht ganze Ausstellungen für       andere Künstler ausrichten, aber zur Jahresausstellung versucht man schon,       interessante Positionen eines Künstlers etwas umfangreicher zu präsentieren..

S:  Vielleicht sollten wir nun zum Abschluss des Gesprächs auf die Website des       Kunstvereins Bezug nehmen. Ich kann mir vorstellen, dass da auch was Lebendiges       passieren kann, dass man irgendwas finden kann, wo ein Künstlergespräch auch       abgedruckt wird oder in irgendeiner anderen Form auch ein Kunstwerk besprochen wird.       Das ist jetzt einfach eine Arbeitsidee. Jetzt sind die Fotos der letzten 4 oder 5       Jahresausstellungen auf der Startseite und da kommt nun das Gespräch dazu. Man kann       aber in einem halben Jahr oder in 4 Monaten was anderes machen.
      Es wäre doch auch möglich, dass man den Mitgliedern des Kunstvereins anbietet, per       Schreiben, dass auch sie aktiv werden können, wenn sie wollen.

B:   Das wichtige bei einer Internetseite ist einfach die Aktualisierung, und dass sie       lebendig bleibt, ansonsten ist sie ein Grab.

S:  Das war es ja auch bisher und ich möchte das jetzt als aktuelles, aktives und       lebendiges Forum für den Kunstverein herrichten. Und da könnten jetzt Gedanken dazu       entwickeln werden, von allen Vereinsmitgliedern.

M:  Also eine Plattform für Künstler, irgendso ein Dialog, wie wir das hier machen.

S:   Ja, oder auch die Einladung zu einer Ausstellung eines Mitgliedes, das kann man alles       einstellen, wenn ich das rechtzeitig bekomme, und das müssen aber die Künstler       wissen, dann setzen wir das vorne auf die Startseite und einen Link zu dieser       Ausstellung, oder zu anderen Veranstaltungen, wie z. B. für Konzerte, Theater oder       ähnliches, was mit den Vereinsmitgliedern zu tun hat. Wir müssen uns nur       vergewissern, dass das alles in einem Rahmen ist, den wir als Verein vertreten können.       Und zwar von der weltanschaulichen wie auch von der politischen und von der       künstlerischen Seite her. D. h. man muss sich dann immer per Gespräch mit anderen       Leuten besprechen und flexibel sein.  Aber so, mein ich, wäre die neue Website wirklich       eine ganz lebendige Geschichte und mir macht das ja wirklich Spaß, hier zu arbeiten. Da       bleibe ich selber lebendig im Bereich der neuen Medien.

B:  Oder  z. B. eine Verlinkung machen zwischen Städtischer Galerie und Website des       Kunstvereins, das trägt alles dazu bei, so eine Site aktuell und lebendig zu machen.
      Wer interessiert sich für die Internetseite des Kunstvereins? Das sind zum Einen die       Mitglieder selbst, die müssen neugierig sein, was ist Neues drauf, was ist eigentlich los,       wo habe ich meine Plattform, um mal was von mir oder von anderen zu sehen? Und       Interessenten des Kulturbetriebs generell oder Menschen, die sich dadurch als neues       KuVs-Mitlied anwerben lassen.

S:   Und die Leuten schauen dann nämlich, wenn etwas geschieht, weil sie neugierig       werden. Ich weiß das von der Schulwebsite, dass dann die Kollegen auch soweit waren,       und sich beschwerten: „Du hast jetzt schon drei Wochen nichts Neues mehr gemacht“.       Die wollen dann auch was Neues sehen. An der Statistik kann man sehen, wie viele       Leute die Website besucht haben. Und das erstaunliche ist, dass es wirklich pro Tag 5       – 6 Leute sind, die die Website des Kunstvereins besuchen. Wenn wir jetzt aktuell       bleiben und weiterarbeiten und zeigen, dass da wirklich etwas passiert, dann werden       das mehr Besucher. Und dann glaube ich, das ist ja letztendlich der Gedanke dabei,       dass es auch Fragestellungen, Engagements anderer Mitglieder oder Leute aus der       Öffentlichkeit gibt, dass die sich anders einklinken oder anders verlinken mit der Kunst,       mit der kommunalen Kunst. Heute gehen die Leute ins Netz, und sie suchen und       informieren sich dort. Und dann glaube ich, dass das zu einer lebendigeren Kunstszene       beitragen kann.

M:
  Frau Bader sagt, wir wollen ja hier keine Vermarktung, wir sind ja keine professionelle,       keine normale Galerie, die Sachen vertreibt. Aber ist das nicht auch eine Möglichkeit,       dass wir in der Website  Ausstellungen der einzelnen Künstler ankündigen?

S:   Das ist keine Vermarktung.

M:   Aber kann man nicht so eine Art Börse auf dieser Site einstellen , sodass man weiß,       wenn ich mir  Bilder vom Künstler XY anschaue, was kosten die denn? Z. B., oder wo       kann man die erwerben?

S:   Das würde dann per Link passieren von der Mitgliederseite zur privaten Website des       Künstlers, da entscheidet der Künstler selbst, ob er Preise angibt oder nicht. Auf der       Kunstvereinsseite, da sollte nur der Titel des Bildes und die äußeren Gegebenheiten des       Werkes drauf sein, aber kein Preis.

B:   Da bin ich auch dafür.


Gespräche in ähnlicher Form, Treffen von KV-Mitgliedern, Gedankenaustausch, Empfehlungen …
alles das kann von Interesse sein für unsere Website. Liebe KV-Mitglieder, es liegt auch an Euch, was an ähnlicher Stelle alles zu lesen ist.

Friedrich Mumm von Mallinckrodt, Judith Bader, Herbert Stahl

 

 

Stand: 30.01.2012
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