kvtsfarbig2 Kunstverein Traunstein e.V.

"Übermalungen" von Walter Tafelmaier
Zerstörung als Schöpfung

Der 1935 geborene Walter Tafelmaier, der heute in Oberbrunn bei München lebt und arbeitet, ist der diesjährige Gastkünstler in der Jahresausstellung des Kunstvereins Traunstein. Aus seinem umfangreichen, fast überbordenden und ausufernden Werk, das den künstlerischen Sammler und obsessiven Archivar verrät, hat er zwei Serien mit Übermalungen ausgesucht. Unerheblich ist dabei, ob Walter Tafelmaier eigene oder fremde Bilder als Ausgangspunkt genommen hat. Seine Serien mit Übermalungen sind Reflexionen und Manifestationen für das sich stets Verändernde: die Metamorphose schält sich als das einzig Beständige heraus. Im kleinen Postkartenformat werden die großen Themen wie Religiosität, Identität, Sexualität und Tod angegangen und den wiederkehrenden Motiven wie z. B. Kreuze, Schiffe, Totenschädel und Körperteile wird ihre semantische und ikonografische Eindeutigkeit entzogen. Sie werden in omnipräsente Zeichen des Verfalls formaler und inhaltlicher Art übersetzt. Tafelmaiers von dunklen Tonwerten dominierte Farbigkeit und, das Arbeiten mit Bitumen, das eine Bandbreite von fettglänzenden, transparenten Brauntönen bis zu pastosen Farbschichten an der Grenze zum abdeckenden Relief bereit hält, sprechen bereits im künstlerischen Material von einem Prozess und einer Wechselwirkung zwischen Enthüllen und Verbergen, Schwärzen und Aufhellen, Aktivität und Duldung. Der expressiv im gestischen Moment zum Ausdruck drängende Zerstörungswille im Werk von Walter Tafelmaier ist hier die eigentliche Form der konstruktiven und schöpferischen Gestaltung. Der lange als Kunsterzieher und Plakatkünstler tätige Walter Tafelmaier erweist sich gerade bei den Übermalungen als ein Künstler, der sich der Tradition, die immer auch eine von ästhetischen Kriterien geprägte ist, verpflichtet fühlt. Und zwar der eigenen privaten Tradition ebenso wie der allgemein gesellschaftlichen, die im Individuum stets miteinander verwoben sind. Dieses Eingebundensein in eine Tradition ist dann am heftigsten spürbar, wenn Tafelmaier gegen sie rebelliert, indem er die Tradition verneint und ausmerzt und uns als Betrachter die Brüchigkeit, Versehrtheit und Vorläufigkeit der Wirklichkeit zumutet.

Judith Bader

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Stand: 30.11.2011
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